Zusammenfassung
Dass ein Klassiker der englischen Literatur wie Romeo
& Juliet und sein Autor durchaus noch up-to-date sind, zeigt das Internetprojekt
Verona World. Ein Projekt, in dem Schülerinnen und Schüler sich
eigenständig in für sie relevante literarische, linguistische
oder historische Themen rund um Romeo & Juliet und William Shakespeare
einarbeiten und diese kreativ fürs Internet aufbereiten und umsetzen.
Sie können ein gängiges Textverarbeitungsprogramm bedienen und
haben schon einmal im Internet gesurft? Sie wissen, dass Hyperlinks angeklickt
werden können und Sie dann zu einer neuen Seite bringen und dass
man diese Kombination von Text und Links Hypertext nennt? Dann können
Sie ein solches Projekt mit Ihren Schülerinnen und Schülern
auch auf die Beine stellen.
Romeo & Juliet im Internet?
Am 23. April 1999 wäre William Shakespeare 435 Jahre
alt geworden. Man könnte meinen, das sei ein bisschen zu alt, um
noch einmal zum Star in einem Internet-Projekt zu werden. Oder, anders
formuliert: ist Shakespeare im Allgemeinen und Shakespeares Romeo &
Juliet im Speziellen zeitgemäß genug für das Internet?
Das Projekt Verona World zeigt, dass diese Frage eindeutig mit ja
beantwortet werden kann. Dass Shakespeare und seine Stücke heute
noch einen hohen Aktualitätsgrad besitzen, ist unumstritten. Nicht
zuletzt Baz Luhrmanns Romeo & Juliet Verfilmung aus dem Jahre 1996
hat gezeigt, dass der Stoff nichts von seiner Faszination eingebüßt
hat. Hollywood Stars wie Claire Danes und Leonardo di Caprio haben dafür
gesorgt, dass Shakespeare gerade bei Teenagern wieder in ist.
Gepaart mit der Begeisterung, die zur Zeit (noch?) vom World Wide Web
ausgeht, ist Shakespeare und das Internet eine motivierende Kombination.
Die `größte interaktive Datenbank der Welt` dient hier als
Basis für eigenständiges Lernen, wie es von schüleraktivierenden
Methoden im Fremdsprachenunterricht angestrebt wird. Post-reading activities
erfordern eine aktive Rolle der Rezipienten und einen Interaktionsprozess
zwischen Text, dem Vorwissen und den Tätigkeiten der Rezipienten.
Diese Interaktion wird u.a. durch die eigene Recherche, die eigene Selektion
von Inhalten erreicht. Die im Internet abrufbaren Informationen zu William
Shakespeare, seinem Leben, seinem Werk, Abbildungen authentischer Materialien,
spezifische Informationen zu Romeo & Juliet, zu neuen und alten Verfilmungen,
zu Verona, ferner die Ganzschrift in durchsuchbarer Form, die wichtigsten
Zitate, Informationen zu Shakespeares Sprache, Illustrationen, Grafiken,
Videos, Sound und letztendlich auch die Hypertext Struktur an sich bilden
eine Fülle von Inspirationen zur Beschäftigung mit dem Autor
und seinem Werk.
Didaktischer Hintergrund und
Zielsetzung des Projektes
Bei der Behandlung eines Shakespeare Dramas im Unterricht
stehen sowohl bei den alten wie auch bei den neuen Richtlinien in NRW
kreativ-gestaltende und textanalytische Ansätze komplementär
zueinander, so dass auf eine klassische Analyse der Ganzschrift
keinesfalls verzichtet werden kann. Das Projekt schließt an die
Analyse an und vertieft sie durch die verschiedensten post-reading activities,
die z.B. kreative, historische, linguistische Schwerpunkte haben können.
Die Zielsetzung des Projektes kann in drei Dimensionen eingeteilt werden:
Wenngleich das tatsächlich Gelernte von Schüler
zu Schüler variiert, wird doch durch die Erstellung eines medienadäquaten
Produktes als Ergebnis des Projektes zum Einen eine gewisse
Schnittmenge gesichert, zum Anderen die Vertiefung spezifischer Schülerinteressen
ermöglicht, die auch den anderen präsentiert werden und als
Anregung dienen können.
Aus zeitlichen Gründen bietet sich ein solch umfassendes Projekt
ausschließlich für Leistungskurse an, in abgewandelter Form
(kürzere technische Einführung, thematische Begrenzung) ist
es natürlich auch im Grundkurs möglich.Voraussetzungen
für das Projekt
Technische Voraussetzungen
Ein solches Internetprojekt kann unter verschiedenen technischen
und organisatorischen Voraussetzungen geplant werden. In jedem Fall muss
berücksichtigt werden, dass ein Großteil der Arbeit auch in
den Unterrichtsstunden stattfinden kann, da andere Zeiten aufgrund der
Kursblockungen und die Nachmittage aufgrund von Sportkursen o.ä.
nicht von allen Schülern und Schülerinnen genutzt werden können.
Hardware
- Die Minimallösung ist:
- ein Internet-Arbeitsplatz, an dem die einzelnen
Gruppen zeitversetzt online arbeiten und die gewünschten bzw.
benötigten Internetseiten (inklusive der Grafiken etc.) suchen
und abspeichern können.
- weitere hinreichend viele Computer (so viele wie
Gruppen, in der Regel mindestens 6), von denen aus die SchülerInnen
auf die abgespeicherten Informationen offline zugreifen und wo sie
ihre Texte, Bilder etc. bearbeiten und eingeben können. Diese
Computer sollten zumindest in jeder zweiten Unterrichtseinheit zur
Verfügung stehen.
Es ist sinnvoll, wenn diese Rechner per LAN
(local area network) miteinander vernetzt sind, um einen einfachen
Datenaustausch zu ermöglichen.
- Die Ideallösung umfasst mindestens 6 Arbeitsplätze
mit Internetzugängen, an denen online gearbeitet werden kann und
die in jeder Stunde zur Verfügung stehen. Zusätzlich kann
ein Scanner eingesetzt werden.
Software
Die folgende Software sollte auf allen Rechnern zur Verfügung
stehen:
- ein Textverarbeitungsprogramm
- ein Browser (z.B. Internet Explorer oder Netscape
Navigator).
Zur Umsetzung der Schülertexte in Hypertext gibt
es drei Möglichkeiten:
- Sie weisen die Schülerinnen und Schüler in
den Umgang mit einem HTML-Editor (Software zur Erstellung von Internetseiten,
ähnlich einem Textverarbeitungsprogramm, z.B. Dreamweaver, Frontpage
oder Aol-Press) und einem Grafikprogramm ein. Dann benötigen Sie
entsprechend viele Arbeitsplätze.
- Sie weisen nur eine Gruppe (z.B. die Layoutgruppe)
ein und diese Gruppe setzt das Layout aller Gruppen gemeinsam mit Ihnen
und den Projektgruppen zeitversetzt um. Dann muss der HTML-Editor und
das Grafikprogramm nur auf einem Gerät (i.d.R. dem Lehrergerät)
installiert werden.
- Sie lassen die Schülerinnen und Schüler die
Texte schreiben, die Bilder auswählen bzw. erstellen und das Layout
ihrer Seiten festlegen und bitten einen externen Helfer die Programmierung
vorzunehmen.
In meinem Fall habe ich mich aus Zeitgründen für
die zweite Möglichkeit entschieden. Die Teilnahme an dieser Layoutgruppe
(maximal 3 Personen) war freiwillig und fand zusätzlich zur Teilnahme
an den Projektgruppen statt. Da es dennoch weit mehr als 3 Freiwillige
gab, entschied das Los.
Voraussetzungen auf Seiten der
Schüler und Schülerinnen
Meine Schülerinnen und Schüler hatten bis auf
zwei Ausnahmen keinerlei Erfahrungen mit Computern (sie konnten sie bis
dahin noch nicht mal einschalten), weshalb ein kurzer Einführungskurs
der eigentlichen Arbeit vorangestellt wurde.
Die technische Einführung hatte dabei weniger den Charakter von Wissens-
oder Methodenvermittlung, sie stellte vielmehr einen notwendigen Schritt
auf dem Weg zur eigenen Produktion einer Webpage darstellte, den der Kurs
gemeinsam gehen und so voneinander lernen wollte.
Viel wichtiger als die Vorkenntnisse ist die Einstellung der SchülerInnen.
Ein solches Projekt ist arbeitsintensiv, daher sollten Sie vorher mit
Ihrem Kurs die Vor- und Nachteile diskutieren, den Zeitrahmen abstecken
und die Zielvorgaben klären. Die meisten Kurse sind nach meiner Erfahrung
mehr als glücklich, diese Zeit investieren zu können.
Voraussetzungen auf Seiten der
Lehrperson
Die Anforderungen, die ein solches Projekt an die Lehrerin
bzw. den Lehrer stellt, hängen insbesondere davon ab, was Sie in
Ihrem Projekt mit den Schülerinnen und Schülern erarbeiten wollen.
Von technischen Problemen einmal abgesehen (mir stand unser Informatiklehrer,
Herr Buekenhout, mit Rat und Tat zur Seite), sind Sie mit Kenntnissen
einer Text- und Bildbearbeitung, der Benutzeroberfläche, gegebenenfalls
des lokalen Netzwerkes und Kenntnissen im Bereich der Internetrecherche
und Internetseitengestaltung hinreichend gut gerüstet. Und vielleicht
haben Sie ja auch Schülerinnen oder Schüler, die die Expertenrolle
in der ein oder anderen Frage bzw. Technik übernehmen können?
Das entlastet Sie einerseits und motiviert die SchülerInnen andererseits.
Sie sind nicht mehr Vermittler von Inhalten, sondern geben den Schülerinnen
und Schülern Techniken zur eigenen Informationsbeschaffung, Aufbereitung
und Darstellung an die Hand.
Ein HTML-Editor zur Internetseitengestaltung funktioniert ganz ähnlich
wie ein Textverarbeitungsprogramm, man kann alle Grundkenntnisse, die
für ein solches Projekt nötig sind, an einem Nachmittag erwerben.
Wichtig erwies sich bei meinem Projekt die Bereitschaft, auch nachmittags
den SchülerInnen den Zugang zu den Computern zu ermöglichen,
da nur wenige die Möglichkeit haben, zu Hause auf einen PC zugreifen
zu können (damit stellt sich auch nicht das Virenproblem).
Phasierung und zeitliche Planung
Die folgende Übersicht stellt die Phasierung des
Projektes mit Zeitangaben dar. Die Stunden, auf welche zusätzliches,
freiwilliges Arbeiten der Schüler und Schülerinnen an den Computern
folgte, sind mit Pluszeichen versehen.
- Orientierung
Bedienung der PC Benutzeroberfläche (Windows) und Verbinden mit
dem eigenen Gruppenverzeichnis über das LAN, Umgang mit einem Textverarbeitungsprogramm
zur Bearbeitung der Texte und Erstellung eines Logbuches, Umgang mit
dem Browser und dem Abspeichern von Texten und Bildern aus dem Internet
(Easy
Guides: How to save text files, how to write a Surfer's Log), Einführung
in das Wortfeld Internet, Struktur
und Möglichkeiten der Internet Project Starting Page (zusätzlich
zu einer Suchmaschine), Einführung in die Geschichte
und den Aufbau
des Internets (Dieses
Material finden Sie auch auf der Internet Project Starting Page unter
der Rubrik HELP),
Charakteristika der Textsorte Hypertext, Vergleich verschiedener Webpages
bezüglich ihres Layouts.
(3 Stunden)
- Planung:
Sammeln von Themen, Auswahl und Gruppenfindung, Erarbeitung eines Zeitplans,
Festlegung des Produktes, grobe Festlegung eines Layouts / Themas (1
Stunde)
- Materialsammlung:
(1) Erste Online-Informations-, Text- und Bildbeschaffung mit Hilfe
des Internets, Abspeichern und Ausdrucken der Materialien (1 Stunde),
(2) Zwischenphase: Materialaufbereitungsphase anhand von Ausdrucken,
Feststellen, was noch fehlt, und Festlegen der Vorgehensweise bei einer
zweiten Recherche (1 Stunde +),
(3) Zweite Online-Materialsammlungsphase: ergänzende Informations-,
Text- und Bildbeschaffung mit Hilfe des Internets (2 Stunden)
- Produktion:
Projektgruppen: Besprechung und Erarbeitung der Gruppentexte und des
Layouts der Gruppenwebseiten, Erarbeitung von Annotationen und Korrektur,
Layoutgruppe: Vorstellung des Zwischenergebnisses und Abstimmung der
weiteren Vorgehensweise hinsichtlich Titel und Titeldesign
Endredaktion der Gruppen: Annotationen, Layout, Korrektur (3 Stunden+)
- Umsetzung:
Endredaktion des Layouts, Umsetzung der Texte, Bilder etc. in Hypertext
(zeitversetzt in Gruppen), Endkorrektur, Vorbereitung der Vorträge
(1 Stunde)
- Präsentation:
Gruppenpräsentation und individuelles "Lesen" der Seiten
(2 Stunden)
- Wortschatzsicherung, erste Reflexion:
Übung zur Wortschatzfestigung (s. Anlage), Layout- und Inhaltsreflexion
- Evaluation:
Besprechung der Wortschatzübung, Rückblick auf das Projekt
und Verteilen des Fragebogens.
Projektdurchführung
Für das Verona World Projekt waren 3 Wochen (vor
den Osterferien) angesetzt, die auch ausgeschöpft wurden. Es stellte
den Abschluss der Unterrichtsreihe zu Romeo & Juliet dar.
Vorbereitungen im Vorfeld:
Internet Project Starting Page
Die Sichtung von Internetquellen zur Bearbeitung von Themen
für ein Romeo & Juliet Internet Projekt ergibt - je nach Suchmaschine
- zwischen 500 und 500.000 Webseiten. Die Anzahl der Seiten, die das Stichwort
'Shakespeare' enthalten, ist noch mal so groß. Ein Großteil
dieser Webpages ist für ein Schulprojekt irrelevant und für
eine inhaltliche Suche eher frustrierend, so dass es unverantwortlich
ist, die Schülerinnen und Schüler auf die gesamte Datenmenge
"loszulassen".
Daher habe ich eine Internetseite programmiert, die alle von mir ausgewählten
(meiner Meinung nach) sinnvollen und relevanten Links thematisch geordnet
enthält. Die Rubriken sind recht allgemein gehalten und reichen von
Shakespeares Leben bis zu (Theater- und Film-) Aufführungen von Romeo
& Juliet. Eine solche Seite ist besonders aufgrund der Fülle
von Daten, die im Internet zu diesem Themenkomplex von Suchmaschinen ungeordnet
gefunden werden, als didaktische Reduktion sinnvoll.
Um die Online-Kosten möglichst gering zu halten und ferner bei der
Raumwahl möglichst flexibel zu sein, kann die Internet Project Starting
Page noch zu einem weiteren Zweck eingesetzt werden: an ihr können
die Schüler und Schülerinnen offline ihre ersten Surfversuche
unternehmen. Darüber hinaus enthält sie alle wichtigen Anleitungen
für den Texteditor und das Herunterladen von Dokumenten und Bildern
aus dem Internet sowie ein Online-Dictionary (unter der Rubrik "help")
und die Texte zum historischen Hintergrund und der Entwicklung des Internets
(mit Arbeitsaufträgen).
Orientierung im Netz: Surfer's
log
Damit die Schüler und Schülerinnen zum Einen
nicht den Überblick bei der Informationsbeschaffung verlieren (was
im Internet aufgrund der Fülle von Daten, hyperlinks und Verzweigungen
sehr leicht geschehen kann) und immer wieder auf die gefundenen Daten,
Adressen, Dokumente und Bilder zurückgreifen können und zum
Anderen um ihnen ihre Wege des Wissenserwerbs und ihre Lernpfade (die
persönliche lineare Auswahl der möglichen Wege) bewusst zu machen,
werde ich sie zum Führen eines 'Surflogbuches' anhalten. Dieses surfer's
log beinhaltet die Adresse der Webpage, ihren Titel und eine stichwortartige
Beschreibung, aus welchem Grund sie eventuell noch einmal aufgesucht werden
sollte, d.h. welche Art von Informationen dort zu finden sind. Das Kopieren
und Übertragen in eine Logbuchdatei ist leicht und mit wenig Aufwand
verbunden, so dass keine zeitliche Belastung entsteht. (Im privaten Bereich
übernehmen die persönlichen bookmarks oder favourites diese
Funktion.)
Das Logbuch ist auch deshalb sinnvoll, weil nach der ersten Phase der
Informationsbeschaffung und Sichtung des Materials das noch fehlende oder
zusätzlich benötigte Material in einem zweiten Durchgang heruntergeladen
werden soll, was ohne eine Übersicht über die zuvor gelesenen
Seiten und deren Inhalte nur schwierig zu bewerkstelligen und vor allem
mit langwierigem Suchen verbunden wäre.
(Ein
Beispiel für ein solches Surfer's Log finden Sie hier.)
Themen- und Gruppenfindung
Die Themenfindung geschah eigenverantwortlich mit zwei
Vorgaben meinerseits, so dass die Schülerinnen und Schüler ihren
eigenen Interessen (weitestgehend) nachgehen konnten. Die Vorgaben waren,
dass ein thematischer Zusammenhang zwischen dem gewählten Thema und
dem bearbeiteten Drama existieren soll, und / oder dass die Fragestellung
des Themas aus der Bearbeitung des Dramas erwachsen sein sollte. Als Endergebnis
sollte ein Produkt stehen, das sich aus den Einzelgruppenarbeiten zusammenfügt.
Zur Themenfindung hatten die Schüler und Schülerinnen schon
während der Behandlung des Dramas im Unterricht den Arbeitsauftrag,
sich Fragestellungen zu überlegen, mit denen sie sich intensiver
beschäftigen möchten. Die Gruppengröße lag bei drei
bis vier Personen pro Gruppe.
Als Produkt stand von vornherein für den Kurs die Gestaltung einer
Webpage fest. Die Vorschläge für den äußeren Rahmen
waren: like a newspaper, like a comic, like a children's book, like a
magazine. Der Vorschlag "like a newspaper" traf auf Konsens,
stellte jedoch eine Schwierigkeit dar, da sich die Schüler und Schülerinnen
innerhalb der Kriterien für ihre Webpage eine größere
Zahl an Bildern gewünscht hatten. Deshalb kam die Idee auf, eine
Mischung aus einer Zeitung und einer Zeitschrift umzusetzen. Nach einigem
Hin- und Her wurde in der Endredaktion der Name: "Verona World"
festgelegt (das geschah noch vor dem Beginn einer ähnlichnamigen
Fernsehsendung).
Die Gruppen- und Themenwahl ging sehr unproblematisch vor sich, da sich
die Schüler und Schülerinnen in der Zwischenzeit schon untereinander
verständigt hatten.
Sie entschieden sich wie folgt:
1.Shakespeare,
2.Shakespeare's Time (art, culture, etc.),
3.Ancient writing (including grammar),
4.Summary, characters (service for readers),
5.Parallels to movies & Is R&J still up to date?,
6.Multiple choice story (alternative endings).
Die Materialbeschaffung
Die Schüler und Schülerinnen setzten sich in
diesen Gruppen zusammen und überlegten sich zunächst einmal
ein grobes Konzept und die spezifischen Inhalte, nach denen sie suchen
wollten. Dann standen ihnen insgesamt 11 Online- Arbeitsplätze zur
Verfügung. Da Gruppe 6 für ihre Gruppenarbeit keine Informationen
aus dem Netz brauchte, in ihr jedoch insgesamt drei Internetexperten mitarbeiteten,
haben sie mit mir zusammen verstärkt den anderen Gruppen Hilfestellungen
gegeben.
Die Stunden während der Materialfindungsphase (5. bzw. 8. Projektstunde)
wurden in beiden Fällen auf Wunsch der Schüler und Schülerinnen
um jeweils ca. 1,5 Stunden verlängert, so dass insgesamt zweimal
drei Stunden Online- Computernutzung stattfanden.
Insgesamt stand der Computerraum zusätzlich (als Angebot) an sechs
(nicht wie geplant zwei bis drei) Nachmittagen zur Verfügung, was
von fast allen Schülerinnen und Schülern auch genutzt wurde.
Es gab in der Zeit keine Hausaufgaben. Die Telefonkosten beliefen sich
auf insgesamt ca. DM 30.
Die Wortschatzarbeit
Das Wortfeld Internet wurde anhand einer Graphik eingeführt
und durch das Beschreiben der verschiedenen Internetseiten (zur Diskussion
des eigenen Layouts) gefestigt.
Lediglich bei (technischen) Schwierigkeiten wurden die Unterrichtssprache
Englisch nicht durchgehalten, ansonsten stellte das technische Vokabular
so gut wie keine Schwierigkeiten dar, da es durch die gleichzeitige praktische
Anwendung und Sichtbarkeit der Vokabeln (englische Versionen sowohl des
Textverarbeitungsprogramms als auch des browsers) kontinuierlich eingeübt
wurden.
Die Wortschatzarbeit innerhalb der Gruppen bestand u.a. darin, dass die
Schülerinnen und Schüler den Arbeitsauftrag bekamen, alle diejenigen
Wörter und Begriffe, die sie selbst nachschauen mussten, als Hyperlink
zu definieren und kurz zu erklären. Dieser "Service" für
die Leser fand breite Zustimmung und wurden von allen (mehr oder weniger
umfassend) durchgeführt. (Ein
Beispiel für eine solche Annotationsdatei finden Sie hier.)
In einer abschließenden Vokabelübung
mussten die Schülerinnen und Schüler einzelne Hyperlinks
in einem Text mit eigenen Worte erklären, wobei hier sowohl Inhalte
als auch Worterklärungen gefragt waren.
Die Schüler und Schülerinnen
waren begeistert und engagiert bei der Sache, zeichneten eigene Illustrationen,
brachten Grafiken und Bilder selbst mit, tauschten untereinander Internet-Adressen
aus, halfen sich bei inhaltlichen und technischen Fragen und zeigten großes
Interesse an der eigenen Fragestellung, aber auch an den Ergebnissen und
Ideen der anderen Gruppen. Sie können sich die Seiten unter http://www.verona-world.de
im Internet anschauen.
Überblick über die Gruppenarbeiten:
Gruppe 1: Everything you always
wanted to know about William S.
Die Internetseiten dieser Gruppe beinhalten ein Portrait Shakespeares,
geben Auskunft über sein Leben und seine Familie sowie einen detaillierten
Überblick über sein Werk. Da es im Internet eine Fülle
an Material zu diesem Thema gibt, war eine Selektion notwendig, die nach
Aussagen der Gruppe durch den hohen Leseaufwand sehr zeitaufwendig war.
(Sie haben sich im Laufe der drei Wochen zu absoluten Shakespeare-Expertinnen
entwickelt und standen den anderen Gruppen damit häufig zu Seite.)
Gruppe 2: Special Investigation:
Torture, Crime and Superstition in Shakespeare's time
Ebenfalls eine sehr rechercheintensive (und informative) Gruppenarbeit,
die zudem durch diverses Bildmaterial einen sehr guten Einblick in das
Elisabethanische Zeitalter gibt. Sie verfügte über viele interessante
Informationen, die auch mir bis dahin nicht bekannt waren (was die Schülerinnen
zusätzlich motivierte). Das Layout ist thematisch abgestimmt.
Gruppe 3: Ancient writing: the
mysteries of Shakespeare's words
Zu
diesem Thema gab es nur wenig Material, welches jedoch übersichtlich
dargestellt ist und konkret auf Romeo & Juliet angewendet wurde (Zitate
aus dem Text). Der Schriftsatz (font) des Prologs gibt einen authentischen
Eindruck der damaligen Schrift wieder. Ferner gibt es eine kurze generelle
Einführung in die Sprache Shakespeares.
Gruppe 4: Homework Special
Die Schülerinnen und Schüler liefern mit diesen Seiten einen
Service für andere Schülergruppe mit Zusammenfassungen und Charakterisierungen.
Diese Seiten sind durch Bilder (aus dem Internet) illustriert. Darüber
hinaus gibt eine humorvolle Neufassung der Balkonszene. Die Gruppe hat
vorwiegend mit eigenem Material, d.h. ohne Zugriff auf Internetmaterial
gearbeitet.
Gruppe 5: Is Romeo & Juliet
still up to date?
Hier werden verschiedene Kritikermeinungen zu Luhrmanns Adaption des Stoffes
in seinem Film von 1996 dargestellt. Die Schülerinnen und Schüler
beantworten die eingängliche Fragestellung aus eigener Sicht. Darüber
hinaus gibt es eine Bildergalerie mit Szenen aus dem Film, sowie eine
kurze Beschreibung der Handlung.
Gruppe 6: Super Romeo Land
In diesem Textabenteuer schlüpft
der Leser bzw. die Leserin in Romeos Rolle und durchläuft die einzelnen
Stationen des Stücks. An allen zentralen Entscheidungsstellen Romeos
muss man sich entscheiden, kann also das ganze Drama textgetreu durchlaufen,
oder aber auch z.B. als Mönch in Sibirien enden. Die Gruppe arbeitete
ausschließlich mit der Ganzschrift, setzte ihre "alternative
endings" jedoch in Hypertext Format um. Sehr arbeitsintensiv, aber
auch sehr spannend, so die Gruppe. Die Layoutgruppe
entwarf und programmierte die Titelseite sowie das Logo und half auch
den anderen Gruppen bei ihren Layouts in Bezug auf Aufteilung, Schrift-
und Farbwahl und Bildereinbindung.
Reflexion
Die Lerngruppe war außergewöhnlich motiviert
und zeigte einen hohen Grad an Identifikation mit der Gruppenarbeit und
Willen zur Perfektion. Dies ist sicherlich auch auf die Aktualität
des Mediums und auf die Publikation der Seiten im Netz zurückzuführen.
Die Präsentationen der Gruppenseiten variierten (in Bezug auf Qualität
und Quantität) je nach Thema und Gruppe. Alle Gruppen stellten jedoch
zunächst ihre Vorgehensweise und die Struktur ihrer Webpages vor.
In der anschließenden individuellen Surf-Phase begannen fast alle
Kursmitglieder mit Super Romeo Land (so heißt die multiple choice
story). Doch
auch die anderen Themen wurden mit Interesse gelesen.
Als problematisch empfand ich die Unruhe zu Beginn der praktischen Arbeit
an den Computern. Man verliert schlagartig die "Kontrolle" über
die Lerngruppe. Es war für mich auch ungewohnt, die SchülerInnen
"einfach machen zu lassen", wenngleich sich die Ergebnisse letztlich
dafür sprechen.
In Bezug auf die praktische Arbeit im Computerraum muss man sich geeignete
Sitzaufteilungen überlegen und Phasen der gemeinsamen Arbeit von
der individuellen Arbeit gut abgrenzen.
Die Vokabelübung hat ein Interesse der Schülerinnen an dieser
Art zu arbeiten bestätigt. In einem neuen Projekt würde ich
daher gerne einmal die Gestaltung einer kleinen Internetseite mit Querverweisen
und den entsprechenden Texten als Klausur ausprobieren (vielleicht erstmal
auf dem Papier).
Bilder, die während des Projektes entstanden sind, befinden sich
in der Projektbeschreibung unter "About
the project".
Literaturangaben
- Borrmann, Andreas und Rainer Gerdzen: Vernetztes Lernen
- Hypertexte, Homepages & ... was man im Sprachunterricht damit
anfangen kann. Herausgegeben von Reinhard Donath (Stuttgart: Klett,
September 1998).
- Collie, Joanne and Slater, Stephen: Literature in the
Language Classroom. A resource book of ideas and activities (Cambridge:
CUP, 1987).
- Donath, Reinhard: "Das WWW im Englischunterricht."
http://www.englisch.schule.de/www.htm
- Donath, Reinhard: Internet und Englischunterricht (Stuttgart:
Klett, 1997).
- Döring, Nicola: "Lernen mit dem Internet",
in: Issing, Ludwig und Klimsa, Paul (Hrsg.): Information und Lernen
mit Multimedia. 2. überarbeitete Auflage (Weinheim: Psychologie
Verlags Union, 1997), S. 304--336.
- Hinz, K.: "Schüleraktivierende Verfahren
im fremdsprachlichen Literaturunterricht", in: Praxis des fremdsprachlichen
Unterrichts, S. 139-150.
- Ritter, Markus: "Neue Technologien: Chance für
eine neue Schule und einen neuen Sprachunterricht?", in: Rüschoff,
Bernd und Schmitz, Ulrich (Hrsg.): Kommunikation und Lernen mit alten
und neuen Medien (Frankfurt a.M.: Europäischer Verlag der Wissenschaften,
1996), S. 39-48
Eine verkürzte Fassung dieses Artikels
erscheint in der Juni 2000-Ausgabe der Zeitschrift
Der fremdsprachliche Unterricht Englisch im Friedrich Verlag.
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